Von Rosenheim aus in knapp 50 Minuten — und doch eine andere Welt. Salzburg ist näher als viele denken. Und noch viel schöner, als man es aus der Ferne ahnt.
Mozart kennt jeder. Die Getreidegasse auch. Und die Festung Hohensalzburg throhnt seit über 900 Jahren auf ihrem Felsen — die lässt sich nicht verstecken. Aber Salzburg hat eine zweite Seite: stille Gassen, in die sich kaum ein Reiseführer verirrt, einen Biergarten, der seit 400 Jahren so funktioniert wie am ersten Tag, und einen Stadtberg, von dem aus man die ganze Schönheit der Barockstadt auf einmal begreift.
Hier ist unser persönlicher Rundgang — für alle, die einen Tag in Salzburg verbringen und ihn wirklich in Erinnerung behalten wollen.
Wer in Salzburg ankommt und sofort in die Altstadt strömt, verpasst das Beste. Steigt zuerst auf den Mönchsberg. Der 508 Meter hohe Stadtberg liegt mitten in der Stadt, und vom nördlichen Teil — zwischen dem Kloster Mülln und dem Museum der Moderne — hat man einen Panoramablick auf die Altstadt, der einen kurz den Atem verschlägt: Kuppeln, Türme, die Festung, dahinter die Alpen.
Wer nicht zu Fuß möchte: Der Mönchsbergaufzug bringt einen in wenigen Sekunden nach oben. Oben angekommen, ist es ruhig. Die Hauptwege sind breit und bequem begehbar, immer wieder öffnen sich kleine Lichtungen mit Ausblicken, die man so schnell nicht vergisst.
Unser Tipp: Morgens, wenn das Licht noch schräg über die Stadt fällt, ist der Ausblick am schönsten — und man hat den Berg meist für sich.
Vom Mönchsberg hinunter, über die Staatsbrücke, und dann links: die Steingasse. Diese enge, mittelalterlich anmutende Gasse auf der rechten Salzachseite ist vielleicht der am wenigsten besuchte Ort in unmittelbarer Altstadtnähe — und einer der faszinierendsten.
Zwischen dunklen Hausfassaden und schweren Holztoren erzählen die Häuser von Jahrhunderten Stadtgeschichte. Auch der Verfasser des Liedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ wuchs hier auf — ein Detail, das die meisten Besucher gar nicht wissen, obwohl sie möglicherweise das Lied kennen. Die Gasse ist schmal genug, dass man flüstert, ohne es zu wollen.
Am Ende der Steingasse beginnt die Linzergasse mit ihren kleinen Cafés, Buchhandlungen und handwerklichen Läden — hier kaufen die Salzburger ein, nicht die Busgrupppen.
Unser Tipp: Die Steingasse eignet sich wunderbar für Fotos — gerade in der Hauptsaison findet man hier noch Motive ohne Menschenmassen, obwohl die Altstadt nur Minuten entfernt liegt.
Kein Touristenmittagessen, keine Speisekarte mit Fotos. Das Augustiner Bräustübl in Mülln, am Fuße des Mönchsbergs, ist ein Ort für sich. Seit dem Jahr 1621 wird hier Bier gebraut — nach dem Reinheitsgebot, aus Holzfässern, in Steinkrügen ausgeschenkt. Heute ist es Österreichs größte Biergaststätte.
Das Prinzip ist so einfach wie zeitlos: Man holt sich im Schmankerlgang seine Jause — eine Brotzeit, ein Stück Käse, eine Brezel —, geht dann zur Zapfstation, lässt sich seinen Krug füllen, und sucht sich einen Platz: in den urigen holzgetäfelten Hallen oder im Gastgarten unter alten Kastanienbäumen. Keine Reservierung, kein Tischservice. Hier sitzen Einheimische neben Reisenden, Alt neben Jung. Das Augustiner Bräu ist kein Lokal — es ist ein Ort.
Unser Tipp: Im Sommer unbedingt den Gastgarten wählen. Und: Man darf seine eigene Jause mitbringen — das ist hier Tradition, keine Ausnahme.
Während alle auf der Altstadtseite flanieren, liegt der Kapuzinerberg auf der rechten Salzachseite fast vergessen. Dabei ist der Aufstieg über die Imbergstiege in der Steingasse kurz und lohnend: Oben angekommen, öffnet sich ein stiller Waldweg, der um den Stadtberg herumläuft und immer wieder Ausblicke freigibt — auf die Altstadt, auf die Salzach, auf die Festung gegenüber.
Oben thront das weithin sichtbare Kapuzinerkloster. Die Atmosphäre hier oben ist ruhig, fast klösterlich — und wer das mögen und schätzen kann, findet auf dem Kapuzinerberg genau das, was Salzburg manchmal vergessen macht: Stille mitten in der Stadt.
Unser Tipp: Der Weg über die Imbergstiege ist steil, aber kurz. Festes Schuhwerk lohnt sich, gute Laune kommt von selbst.
Den Tag ausklingen lassen im Café Bazar am Salzachkai. Eines der berühmtesten Kaffeehäuser der Stadt — und das zurecht. Breite Fenster, Blick auf die Salzach und die Festung dahinter, ein Melange oder ein Gläschen Wein, und das Gefühl, dass der Tag gut war. Hier saßen Schriftsteller, Schauspieler und Dirigenten, bevor der Begriff „Festspiele“ touristisch wurde. Der Charme davon ist geblieben.
Unser Tipp: Die Terrassenplätze direkt an der Salzach sind heiß begehrt — wer sicher gehen möchte, kommt etwas früh zum Abendbeginn.
Salzburg liegt von San Gabriele aus knapp 60 Minuten entfernt — ideal für einen entspannten Tagesausflug.
Anfahrt: Mit dem Auto über die A8 Richtung Salzburg, Parkgarage Altstadt empfohlen. Mit dem Zug ab Rosenheim Hbf in ca. 50 Minuten direkt in die Salzburger Altstadt.
Bild von Wolfgang Zimmel auf Pixabay